An der Wesermündung:
Urlaubstag 1(b):
Nach 2 Tagen Anreise, 933km unterbrochen von einer anstrengenden und außergewöhnlich guten Familienfeier, nun der erste eigentliche Urlaubstag. Ist es wahr, dass die Seele mit maximal 80 km/h reisen kann oder ist das das Alter. Es muss das Alter sein. Eine kurze Überschlagsrechnung zeigt, in 36 Stunden hätte meine Seele mehr als die dreifache Strecke zurücklegen können.
Die erste Nacht in Rufweite zur Nordsee war angenehm, die Betten ohne wesentlichem Grund zur Beanstandung. Gut, der Fernseher ist zu klein – selbst für einen Tatort. Das Einschlafen war nach 36 Stunden mit nur rund 4 Stunden Schlaf dazwischen weitaus weniger einfach, als erhofft. Viele Gedanken über die Verwandtschaft, die weit, weit weg wohnt und die ich seit rund 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Außergewöhnliche Menschen, die mir das gute Gefühl gegeben haben, nie weg gewesen zu sein. Eher noch haben sie suggeriert, ich hätte dort, über 400 Kilometer von der eigenen Heimat entfernt, noch eine zweite, eine Reserveheimat.
Nun heute also das erste Frühstück im lang herbeigesehnten Urlaub. Obwohl... lang herbeigesehnt hat ihn Annette, meine Frau. Ich selbst hätte (zumindest meiner subjektiven Einschätzung nach) keinen Urlaub gebraucht. So wie ich mich hier und jetzt aber fühle, brauche ich ihn vielleicht sogar noch dringender. Es wird sich zeigen. Ich bin frohen Mutes, wie man so schön sagt.
Das Frühstück war unspektakulär, bodenständig und gut. Hatte kräftigen Schwarztee. Schmeckt mir oft besser und zeitigt bei mir eine angenehmere Wirkung als der alltägliche Kaffee. Die Wirtin unserer Pension scheint mir ein angenehmer Mensch zu sein. Die anderen Gäste sind unaufdringlich und verzichtbar.
Urlaub mit den eigenen Eltern in der selben Pension, die Schwiegereltern nur 2 Kilometer weiter im Ferienhaus und die liebe Gattin keinen Meter entfernt. Habe ich schon erwähnt, dass ich gespannt bin, wie erholsam der Urlaub für mich wird?
Das Wetter hier ist ein eigenes Thema, das ich in künftigen Berichten von dieser Reise wenn möglich ausklammern werde. So oft, wie sich das binnen Stunden, manchmal Minuten, komplett ändern kann, ist es keiner Chronik würdig. Heute Morgen Novemberregen mit Herbstwind; eine Kombination, die mich mehr erfreut, als manch einer vielleicht vermuten würde. Kurz darauf Sommersonne, dann dazu dieser kräftiger Wind, der mich euphorisch macht, um mich schließlich mit einem kräftigen Regenguss vom Deich zu treiben.
Der Wind. Nicht so stetig, wie ich gehofft hatte. Habe mir heute Vormittag eine Lenkmatte (Drachenersatz) gekauft. Lässt sich leider nur mit Anstrengung steuern, böiger Wind mit kurzen Pausen macht ein erfülltes Drachen-Steigen-Lassen fast unmöglich. Viel Verdruss. Dann mein Vater, der sich während meines Kampfes mit den Elementen einen richtigen Lenkdrachen holt. Hätte ich auch machen sollen. Sein Drachen steigt auf (von mir gelenkt), dann ein scharfes „Klick“. Die linke Schnur scheint gerissen (es war dann aber der Befestigungsring an der Handschlaufe), der Drachen dreht sich in einer starken Böe mit über 150 RPM rechts um die eigene Achse. In dieser wenig eleganten Flugbewegung nähert er sich unaufhaltsam dem Boden. Die verbliebene rechte Schnur verheddert sich in einem Baum zwischen mir und dem Drachen. Ich bin gezwungen, stark nachzugeben, damit das Ding nicht im Baum hängen bleibt, sondern auf die wilde Wiese dahinter stürzen kann. Es beginnt zu regnen, mit zunehmender Tendenz. Die Regentropfen sind viel dramatischer als Zuhause. Ich bin enttäuscht, dass der wesentlich bessere Drachen keine 20 Sekunden in der Luft war, ehe er sich in wilden Kapriolen wieder Richtung Erde bewegte. Mein Vater ist verärgert, diagnostiziert einen Materialfehler und kündigt an, zu reklamieren.
Sonst nichts. Erholung ist gut. Keine Termine, kein Telefon. Warum auch. Es hätte keinen Sinn, würde nichts ändern. Heute Abend Essen im Ferienhaus der Schwiegereltern. Es gibt Granat mit Rührei und Schwarzbrot.
Jetzt gibt’s „Die Zeit“, welche mich mit einem Titel gelockt hat, der argwöhnen lässt, die Redakteure haben mein Tagebuch gelesen. Unverzüglich würde ich rechtliche Schritte einleiten, wenn ich Tagebuch führen würde. Danach ein ausgedehntes Nickerchen. Keine weiteren Aufgaben. Die nächsten Tage sind nicht geplant und werden, wenn es sich vermeiden lässt, auch weiter ungeplant kommen und sich einfach ereignen.
Montag, 29. August 2011
Freitag, 31. Dezember 2010
Rückblick, Vorschau oder was wäre wünschenswert?
Was könnte es Interessanteres geben als zu wissen, was die Zukunft bringt? Nun, bei ausreichend langer philosophischer Betrachtung kommen einem zumindest Zweifel, ob es wirklich so gut ist, genau zu wissen, was einen erwartet. Aber wichtig ist es schon, zumindest eine Ahnung davon zu haben, was einem bevorsteht, oder worauf es sich vorzubereiten gilt. Heute kaum mehr ein Problem, mit Wettervorhersage, Wirtschaftsprognosen und Terminkalendern.
Auch der Rückblick ist wichtig. Schließlich sollen gemachte Fehler nicht wiederholt werden, genutzte Chancen dürfen gefeiert, Verlorenes betrauert werden.
Aber diese beiden Blickrichtungen können uns auch täuschen. Schließlich ist die Vergangenheit nichts weiter, als in unserem Gehirn festgehaltene Sinneseindrücke. Wirklich existent ist sie nicht. Die Zukunft, der wir so viel Bedeutung beimessen, hat noch weit weniger Substanz, weil sie in allen ihren Ausprägungen ausschließlich Produkt unserer Fantasie ist. Alles nur Hirngespinste?
Natürlich nicht. Aber viele hängen in der Vergangenheit fest, oder sorgen sich um die Zukunft, gestalten ihr hektisches Leben nur in Vorbereitung auf kommende Zeiten, die dann wieder für die nächste Zukunft geopfert werden. Dabei vergessen wir nur all zu leicht, dass wir ausschließlich jetzt leben. Nun, das mag ernüchternd klingen, offenbart aber interessante Möglichkeiten.
So können wir uns einfach hinsetzten und uns unserer Existenz im Hier und Jetzt bewusst werden. Ein Bewusstsein dafür finden, was es bedeutet, nur im Hier und Jetzt leben und handeln zu können. Ganz gemäß dem Kirchenlied, das ermahnt "...jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt...".
Wenn ich schon beim Thema Kirche bin, dann kann ich gleich auch noch ein liebes Vorbild von mir anführen, der gesagt hat, dass weder die Blumen auf dem Felde, noch die Vögel im Himmel sähen oder ernten. Und doch sorge der Vater für sie.
Aber nein, es geht mir nicht um religiöse Schicksalsergebenheit, oder gar dogmatische Unterwerfung gegenüber der Obrigkeit. Auch in den Tag hinein zu leben, scheint mir nicht wünschenswert. Aber, dass wir uns der ständigen Sorge verschreiben, ist mindestens ebenso kontraproduktiv.
Mein Vorschlag für uns alle:
Lasst uns im Hier und Jetzt leben und handeln. Im Gedenken der Vergangenheit und mit Verantwortung für die Zukunft. Wer das mal ausprobiert, wird feststellen, was es heißt, das Leben zu spüren anstatt Vergänglichkeit und das Rasen der Zeit, die nichts als Bedauern hinterlässt.
Leben, statt Vergänglichkeit.
Leben, jetzt.
Einen guten Jahreswechsel!
Auch der Rückblick ist wichtig. Schließlich sollen gemachte Fehler nicht wiederholt werden, genutzte Chancen dürfen gefeiert, Verlorenes betrauert werden.
Aber diese beiden Blickrichtungen können uns auch täuschen. Schließlich ist die Vergangenheit nichts weiter, als in unserem Gehirn festgehaltene Sinneseindrücke. Wirklich existent ist sie nicht. Die Zukunft, der wir so viel Bedeutung beimessen, hat noch weit weniger Substanz, weil sie in allen ihren Ausprägungen ausschließlich Produkt unserer Fantasie ist. Alles nur Hirngespinste?
Natürlich nicht. Aber viele hängen in der Vergangenheit fest, oder sorgen sich um die Zukunft, gestalten ihr hektisches Leben nur in Vorbereitung auf kommende Zeiten, die dann wieder für die nächste Zukunft geopfert werden. Dabei vergessen wir nur all zu leicht, dass wir ausschließlich jetzt leben. Nun, das mag ernüchternd klingen, offenbart aber interessante Möglichkeiten.
So können wir uns einfach hinsetzten und uns unserer Existenz im Hier und Jetzt bewusst werden. Ein Bewusstsein dafür finden, was es bedeutet, nur im Hier und Jetzt leben und handeln zu können. Ganz gemäß dem Kirchenlied, das ermahnt "...jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt...".
Wenn ich schon beim Thema Kirche bin, dann kann ich gleich auch noch ein liebes Vorbild von mir anführen, der gesagt hat, dass weder die Blumen auf dem Felde, noch die Vögel im Himmel sähen oder ernten. Und doch sorge der Vater für sie.
Aber nein, es geht mir nicht um religiöse Schicksalsergebenheit, oder gar dogmatische Unterwerfung gegenüber der Obrigkeit. Auch in den Tag hinein zu leben, scheint mir nicht wünschenswert. Aber, dass wir uns der ständigen Sorge verschreiben, ist mindestens ebenso kontraproduktiv.
Mein Vorschlag für uns alle:
Lasst uns im Hier und Jetzt leben und handeln. Im Gedenken der Vergangenheit und mit Verantwortung für die Zukunft. Wer das mal ausprobiert, wird feststellen, was es heißt, das Leben zu spüren anstatt Vergänglichkeit und das Rasen der Zeit, die nichts als Bedauern hinterlässt.
Leben, statt Vergänglichkeit.
Leben, jetzt.
Einen guten Jahreswechsel!
Dienstag, 28. Dezember 2010
PID - Selektionsdiagnosgik oder was nun?
Es gibt viele Ansichten zur Prä-Implanatations-Diagnostik. Am witzigsten finde ich unter anderem die Theorie, dass wir (eine entsprechende Gottexistenz einmal vorausgesetzt) gegen den Willen Gottes verstoßen, wenn wir ihm ins Handwerk pfuschen...
Da stellt sich mir als spirituell orientiertem Agnostiker doch die Frage, woraus genau das Handwerk besteht, wenn fehlehafte Gensequenzen erschaffen werden. Freilich gibt's dann immer das Todschlagargument, Gottes Wege seien unergründlich. So könne es sich bei Abweichungen von der Gen-Norm um göttliche Prüfungen handeln. Als Humanist bezweifle ich derlei aber ernsthaft. Wenn überhaupt, dann schickt uns das Göttliche, was wir brauchen um die Probleme zu bewältigen. Jedenfalls nach meiner Erfahrung.
Aber das Thema ist mir im Grunde genommen viel zu komplex für einfache Lösungen und Antworten. Hier geht es doch nicht darum, Embrionen zu entsorgen, die nicht die gewünschte Haarfarbe aufweisen. Es geht um die Entscheidung, ob ich als Eltern gezwungen bin, einen Embrio einzusetzen, der nach der Befruchtung als schon Lebensfähiger Mensch abgetrieben (Tötung durch Zerstückeln) werden darf, wenn zum Beispiel das Downsyndrom vorhanden ist.
Das Deutsche Recht soll einer Mutter also verbieten, vor einer Implantation auf schwerwiegende Defekte prüfen zu lassen, während sie das Recht hätte, jederzeit nach entsprechender Fruchtwasseruntersuchung abzutreiben? Bescheuert!
Zumal die Fruchtwassertests für Kind UND Mutter lebensbedrohlich sein kann, auch wenn gar kein Problem vorhanden wäre.
Da stellt sich mir als spirituell orientiertem Agnostiker doch die Frage, woraus genau das Handwerk besteht, wenn fehlehafte Gensequenzen erschaffen werden. Freilich gibt's dann immer das Todschlagargument, Gottes Wege seien unergründlich. So könne es sich bei Abweichungen von der Gen-Norm um göttliche Prüfungen handeln. Als Humanist bezweifle ich derlei aber ernsthaft. Wenn überhaupt, dann schickt uns das Göttliche, was wir brauchen um die Probleme zu bewältigen. Jedenfalls nach meiner Erfahrung.
Aber das Thema ist mir im Grunde genommen viel zu komplex für einfache Lösungen und Antworten. Hier geht es doch nicht darum, Embrionen zu entsorgen, die nicht die gewünschte Haarfarbe aufweisen. Es geht um die Entscheidung, ob ich als Eltern gezwungen bin, einen Embrio einzusetzen, der nach der Befruchtung als schon Lebensfähiger Mensch abgetrieben (Tötung durch Zerstückeln) werden darf, wenn zum Beispiel das Downsyndrom vorhanden ist.
Das Deutsche Recht soll einer Mutter also verbieten, vor einer Implantation auf schwerwiegende Defekte prüfen zu lassen, während sie das Recht hätte, jederzeit nach entsprechender Fruchtwasseruntersuchung abzutreiben? Bescheuert!
Zumal die Fruchtwassertests für Kind UND Mutter lebensbedrohlich sein kann, auch wenn gar kein Problem vorhanden wäre.
Montag, 6. Dezember 2010
Da bahnt sich was an...
Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich gewisse Unternehmen und Funktionen zumindest für die Grundversorgung in öffentlicher, also staatlicher Hand sehen will. Das betrifft zum Beispiel Sicherheit (Polizei), Versorgung mit Strom, Wasser, Wärme, Bildung und bestimmte Verwaltungsbereiche.
Auch was den Nah- und Fernverkehr betrifft, sehe ich die Gemeinschaft / den Staat in der Pflicht, für seine Bürger eine Grundversorgung zu garantieren. Sodass ich die Möglichkeit habe, zu reisen auch wenn ich kein Auto anschaffen will oder kann.
Aber die Meldung, dass die Bahnstrecke München - Rosenheim - Salzburg ab 2013 an den französischen Betreiber der Bayerischen Oberlandbahn geht, hat mich zumindest mit ein bisschen mit Schadenfreude erfüllt...
Wenn ich die Strecke mit der Bahn fahre, dann freue ich mich immer wie ein kleines Kind, wenn mal ein moderner Regionalzug unterwegs ist. Zu den Zeiten, die ich fahre, scheinen aber fast ausschließlich uralte Züge aus den gefühlten 40er Jahren unterwegs zu sein.
Die Aussentüren sind für Alte und Kinder oft kaum zu öffnen, die Abteiltüren arbeiten mit ihrer Automatik vor allem gegen den Fahrgast, die Sitze sind so umbequem, dass man meinen könnte, sie dienten dem Zweck, den Fahrgast vom sitzenbleiben abzuhalten. Das Zugpersonal taucht nur selten auf, was bei mir komischer Weise dazu führt, dass ich mich ungerecht behandelt fühle, weil ich als zahlender Kunde nicht kontrolliert werde...
Nun kommt also die BOB - die Bayerische Oberlandbahn - zum Zuge (im wahrsten Wortsinne). Die haben wohl ein preislich recht agressives Angebot gemacht, mit dem die Bahn nicht habe mithalten können oder wollen. Und jetzt zeigt sich die Bahn enttäuscht!!! Das nervt.
Entweder, die Bahn steht zu ihrem angestrebten Status als privatwirtschaftliches Unternehmen, oder sie bleibt in staatlicher Hand als ein Betrieb, der einen Versorgungsauftrag erfüllt ohne Anspruch auf Gewinnerzielung... Oder aber sie macht privatwirtschaftliche Angebote.
Der französische Konzern Violia bietet doch nicht mehr Geld und neue Züge und ständige Zugbegleitung, wenn sich auf der Strecke kein Gewinn erzielen lässt. Warum ist die Bahn nicht selbst auf die Idee gekommen, moderne Züge und mehr freundliches Personal einzusetzen? Nein, die lassen ihre Kunden lieber im Winter frieren, im Sommer schwitzen und im Regen stehen... :-(
Ich freue mich auf die BOB in meiner Region, weil diese Firma auf den Strecken, die sie bereits bedient, einen ausserordentlich guten Service liefert und die Pendler sehr zufrieden sind mit Technik, Preis und Service...
Was will man mehr.
Auch was den Nah- und Fernverkehr betrifft, sehe ich die Gemeinschaft / den Staat in der Pflicht, für seine Bürger eine Grundversorgung zu garantieren. Sodass ich die Möglichkeit habe, zu reisen auch wenn ich kein Auto anschaffen will oder kann.
Aber die Meldung, dass die Bahnstrecke München - Rosenheim - Salzburg ab 2013 an den französischen Betreiber der Bayerischen Oberlandbahn geht, hat mich zumindest mit ein bisschen mit Schadenfreude erfüllt...
Wenn ich die Strecke mit der Bahn fahre, dann freue ich mich immer wie ein kleines Kind, wenn mal ein moderner Regionalzug unterwegs ist. Zu den Zeiten, die ich fahre, scheinen aber fast ausschließlich uralte Züge aus den gefühlten 40er Jahren unterwegs zu sein.
Die Aussentüren sind für Alte und Kinder oft kaum zu öffnen, die Abteiltüren arbeiten mit ihrer Automatik vor allem gegen den Fahrgast, die Sitze sind so umbequem, dass man meinen könnte, sie dienten dem Zweck, den Fahrgast vom sitzenbleiben abzuhalten. Das Zugpersonal taucht nur selten auf, was bei mir komischer Weise dazu führt, dass ich mich ungerecht behandelt fühle, weil ich als zahlender Kunde nicht kontrolliert werde...
Nun kommt also die BOB - die Bayerische Oberlandbahn - zum Zuge (im wahrsten Wortsinne). Die haben wohl ein preislich recht agressives Angebot gemacht, mit dem die Bahn nicht habe mithalten können oder wollen. Und jetzt zeigt sich die Bahn enttäuscht!!! Das nervt.
Entweder, die Bahn steht zu ihrem angestrebten Status als privatwirtschaftliches Unternehmen, oder sie bleibt in staatlicher Hand als ein Betrieb, der einen Versorgungsauftrag erfüllt ohne Anspruch auf Gewinnerzielung... Oder aber sie macht privatwirtschaftliche Angebote.
Der französische Konzern Violia bietet doch nicht mehr Geld und neue Züge und ständige Zugbegleitung, wenn sich auf der Strecke kein Gewinn erzielen lässt. Warum ist die Bahn nicht selbst auf die Idee gekommen, moderne Züge und mehr freundliches Personal einzusetzen? Nein, die lassen ihre Kunden lieber im Winter frieren, im Sommer schwitzen und im Regen stehen... :-(
Ich freue mich auf die BOB in meiner Region, weil diese Firma auf den Strecken, die sie bereits bedient, einen ausserordentlich guten Service liefert und die Pendler sehr zufrieden sind mit Technik, Preis und Service...
Was will man mehr.
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Der wöchentliche Wahnsinn
Es ist so weit. Ich bin verheiratet.
Nein, es hat nicht weh getan. Auch habe ich nicht im Vorfeld Panik oder sonst wie kalte Füße bekommen. Im Gegenteil: es fühlt sich hervorragend an. Es ist wahnsinnig spießig und daher auch unendlich beruhigend :-) Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, es ist empfehlenswert!! Alle anderen Lebensmodelle haben sich nicht oder nur in Ausnahmefällen bewährt.
Aber eigentlich geht's um was ganz anderes: ich werde es tun... Jetzt, nachdem ich ein vollkommen neues Leben begonnen habe (mit anstehenden unglaublichen Abenteuern, von denen wahrscheinlich über Kurz oder Lang auch hier zu berichten ist), werde ich regelmäßig - wöchentlich Kommentare und Bewertungen von Ereignissen, die mich, mein Leben, oder zumindest meine Interessen tangieren, absondern. Ja, wöchentlich.
Das ist eine große Herausforderung, weil ich ein Paradebeispiel für einen Menschen bin, der unter Prokrastination leidet. "Verschieberitis" wird diese Störung auch genannt.
Auch darüber gibts sicher noch einiges zu schreiben. Auf jeden Fall bin ich gespannt :-)
Bis dann!
CH
Nein, es hat nicht weh getan. Auch habe ich nicht im Vorfeld Panik oder sonst wie kalte Füße bekommen. Im Gegenteil: es fühlt sich hervorragend an. Es ist wahnsinnig spießig und daher auch unendlich beruhigend :-) Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, es ist empfehlenswert!! Alle anderen Lebensmodelle haben sich nicht oder nur in Ausnahmefällen bewährt.
Aber eigentlich geht's um was ganz anderes: ich werde es tun... Jetzt, nachdem ich ein vollkommen neues Leben begonnen habe (mit anstehenden unglaublichen Abenteuern, von denen wahrscheinlich über Kurz oder Lang auch hier zu berichten ist), werde ich regelmäßig - wöchentlich Kommentare und Bewertungen von Ereignissen, die mich, mein Leben, oder zumindest meine Interessen tangieren, absondern. Ja, wöchentlich.
Das ist eine große Herausforderung, weil ich ein Paradebeispiel für einen Menschen bin, der unter Prokrastination leidet. "Verschieberitis" wird diese Störung auch genannt.
Auch darüber gibts sicher noch einiges zu schreiben. Auf jeden Fall bin ich gespannt :-)
Bis dann!
CH
Sonntag, 7. März 2010
Missbrauch bei Kirche und Co.
Es vergeht in den Nachrichten aktuell keine Stunde ohne Meldungen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche und Erzieher in kirchlichen Einrichtungen. Und es ist widerlich.
So widerlich die Vorfälle an sich sind, umso widerlicher stellt sich mir das Verhalten der Verantwortlichen dar.
Frei nach dem Motto: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf!" sind die jetzt an den Pranger gestellten Institutionen (und die Kirche insgesamt) Jahrzehnte lang mit derlei Vorkommnissen umgegangen. Und wenn man so viel Aufarbeitung so lange Zeit vor sich herschiebt, kommt irgendwann so viel Übel zusammen, dass bei der dann längst überfälligen Aufarbeitung der Eindruck entstehen kann, die Kirche hätte sich ein gewisses Monopol auf Misshandlung und Missbrauch erarbeitet.
Aber genau an dem Punkt fängt die Angelegenheit an, mich zu nerven. Unbestritten ist nach meiner Ansicht die Notwendigkeit, allen Vorwürfen bis zum letzten Detail nachzugehen. Auch dann, wenn die Übergriffe nach unserer Rechtssprechung verjährt sind. Nicht um Täter an den Pranger zu stellen; nicht um Rache zu üben. Vielmehr ist eine solche Aufarbeitung für die Opfer wichtig. Viele Jahre haben sie sich gequält. Begleitet von Selbstvorwürfen haben sie zweifelhafte Ideen einer Mitschuld jahrelang auf ihren Seelen herumgetragen. Kinderseelen, die einmal so tief verletzt niemals wieder zu hundert Prozent ausheilen können. Auch wenn es für einige sehr spät, für manche zu spät kommt, muss gerade den Opfern klar gemacht werden, dass sie keinerlei Schuld auf sich geladen haben (wobei Schuld ein Begriff ist, den ich anders definiere als dies in unserer Gesellschaft üblich ist).
Dennoch - ich bin genervt. Vor allem, weil ich kein Freund von institutionalisierter Religion bin und vor allem den großen Kirchen ausgesprochen skeptisch gegenüber stehe. Eigentlich könnte ich mich in den Chor derjenigen einreihen, die sagen: "Da seht Ihr es - Eure überkommenen Moralvorstellungen sind die Ursache für so viel Leid." Und anfänglich war ich wohl auch geneigt, so zu argumentieren.
Aber ganz objektiv betrachtet hat sexueller Missbrauch von Kindern nichts mit Katholizismus, Internaten oder irgend was anderem zu tun. Sicher gibt es die ein oder anderen Umstände, die gewisse menschlichen Abgründen zuträglich ist (in dem Sinne, dass sie deutlicher zu Tage treten, oder sie sich schneller auftun). Aber was sollen wir machen? Alle Internate schließen, Klassenfahrten verbieten und Kindern den Kontakt zur Kirche und allen anderen Jugendorganisationen untersagen?
Tatsächlich hat der Missbrauch von Kindern eher etwas mit Vertrauen zu tun. Missbrauchtes Vertrauen. Denn diese schwere Verletzung der Seele erfahren Kinder und auch Jugendliche nicht vorwiegend vom fremden Mann (oder durchaus auch Frau) von der Straße, sondern in der größten Zahl der Fälle Durch Menschen aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Von nahen Verwandten, engen Freunden der Familie oder auch im eigenen Freundeskreis.
Daher ist die Anweisung an Kinder, nicht mit fremden Personen zu sprechen, oder gar mit ihnen mitzugehen, sicherlich ein guter Rat. Aber wer seine Kinder eben nur auf diese Gefahrensituation vorbereitet, handelt nachlässig. 80% (!) der Täter kommen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Opfer.
Vielmehr ist es wichtig, starke und selbstbewusste Kinder zu erziehen, die sich durchaus trauen, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen vor die Anliegen von Verwandten und Gästen zu stellen.
Das geht schon los, wenn ein Kind beim Besuch von Tante X nicht geküsst werden möchte und die Eltern es aber praktisch nötigen, dies doch über sich ergehen zu lassen. Dann bedeutet das für das Kind nichts anderes als, dass seine eigenen Bedürfnisse (in diesem Fall seelisch UND körperlich) hinter den Wünschen von Anderen anzustellen sind. Das erzeugt natürlich auch eine Hemmung, sich erstens gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen und zweitens auch eine Hemmung, sich nach einem wie auch immer gearteten Vorfall an die Eltern zu wenden, welche einen bei der eben geschilderten Situation ja genau die waren, die das Kind in die unangenehme Situation gezwungen haben.
Auch in den Fällen, die nun durch die Medien gehen, handelt es sich um Missbrauch von Vertrauen. Vertrauen, das Eltern, der Staat und die Kirche in Autoritätspersonen gesetzt hat, das aber aufs allerschlimmste missbraucht worden ist. Autoritätspersonen und Personen, denen die Kinder und Jugendlichen sicher auch in vielen Fällen vertraut haben. Oft Menschen, die ihnen Schutz, Geborgenheit und Erziehung zukommen lassen sollten.
Bei dieser Betrachtung ist der Mord an Kinderseelen, wie ich Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern gerne nenne, sicher eines der hinterhältigsten und grausamsten Verbrechen überhaupt.
Aber es ist eben ein Verbrechen, das Menschen begehen. Menschen fast jeden Alters, aller Gesellschaftssichten und jeder Bildungs- und Glaubensausrichtung. Es ist kein Verbrechen, für das Pfarrer prädestiniert sind. Pfarrer sind nämlich (auch wenn ihnen dieses Recht oft abgesprochen wird) erst mal Menschen. Es ist ein Verbrechen, das Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Freunde, Verwandte begehen. Sie sind immer unter uns.
Es gibt eine Schätzung, die davon ausgeht, dass JEDES VIERTE MÄDCHEN bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sexuelle Übergriffe (in unterschiedlicher Ausprägung) erlebt. Wer aber glaubt, es handle sich um ein Problem, das Jungen nicht betreffen kann, der irrt gewaltig. Immerhin jeder elfte (!) Junge erleidet bis zu seinem 18. Geburtstag sexuellen Missbrauch.
Es gibt natürlich bestimmte Muster, die sich scheinbar immer aufs neue wiederholen: die Täter waren in den allermeisten Fällen selbst Opfer; besonders leicht werden Kinder aus autoritären Familien zu Opfern; Angst vor Strafe und Schande ermöglichen erst die extrem hohe Dunkelziffer bei Sexualverbrechen, die das Bundeskriminalamt mit 90% (!!) angibt. Das heißt: für jeden Fall, der aktenkundig wird, gibt es neun Fälle, die nie ans Licht kommen.
Trotzdem: wie schon erwähnt, ist das kein Problem irgend einer Gruppe in der Gesellschaft. Es geht um alle sozialen Schichten, alle Berufsgruppen, alle Glaubensrichtungen, alle Menschen.
Daher fordere ich:
Wir müssen offen und unvoreingenommen an das Thema herangehen. Sehen wir erst einmal von Schuldzuweisungen und Vorwürfen ab. Erkennen wir, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, das gesamtgesellschaftlich angegangen werden muss. Wir müssen öffentlich darüber diskutieren. Jedes Tabu, das wir im Dunklen lassen, bietet Raum für Geheimnisse und Drohungen.
Und dennoch warne ich vor US-Amerikanischen Zuständen in der Erziehung. Dort werden 8jährige Jungs vor Gericht gezerrt, die ihrer 4jährigen Schwester beim Wasserlassen helfen. Dort wagen Eltern nicht mehr, ihre Kinder richtig in den Arm zu nehmen, weil die Nachbarn sie anzeigen könnten.
Vor allem letzteres führt nach Ansicht von Entwicklungspsychologen zu Verhaltensstörungen in Richtung erhöhter Aggressivität und Gewaltbereitschaft.
Wir sind Menschen. Das bedeutet, wir sind körperliche und sexuelle Wesen. Jeder braucht zum Leben auch körperliche Zuwendung. Und die gute Art der Zuwendung macht Kinder stark und selbstbewusst. Und Kinder haben ein sehr feines Gespür für die richtige und die falsche Art der Zuwendung.
Das heißt: ihre Bedürfnisse sind entscheidend. Nicht die Moral oder Bedürfnisse von uns Erwachsenen.
So widerlich die Vorfälle an sich sind, umso widerlicher stellt sich mir das Verhalten der Verantwortlichen dar.
Frei nach dem Motto: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf!" sind die jetzt an den Pranger gestellten Institutionen (und die Kirche insgesamt) Jahrzehnte lang mit derlei Vorkommnissen umgegangen. Und wenn man so viel Aufarbeitung so lange Zeit vor sich herschiebt, kommt irgendwann so viel Übel zusammen, dass bei der dann längst überfälligen Aufarbeitung der Eindruck entstehen kann, die Kirche hätte sich ein gewisses Monopol auf Misshandlung und Missbrauch erarbeitet.
Aber genau an dem Punkt fängt die Angelegenheit an, mich zu nerven. Unbestritten ist nach meiner Ansicht die Notwendigkeit, allen Vorwürfen bis zum letzten Detail nachzugehen. Auch dann, wenn die Übergriffe nach unserer Rechtssprechung verjährt sind. Nicht um Täter an den Pranger zu stellen; nicht um Rache zu üben. Vielmehr ist eine solche Aufarbeitung für die Opfer wichtig. Viele Jahre haben sie sich gequält. Begleitet von Selbstvorwürfen haben sie zweifelhafte Ideen einer Mitschuld jahrelang auf ihren Seelen herumgetragen. Kinderseelen, die einmal so tief verletzt niemals wieder zu hundert Prozent ausheilen können. Auch wenn es für einige sehr spät, für manche zu spät kommt, muss gerade den Opfern klar gemacht werden, dass sie keinerlei Schuld auf sich geladen haben (wobei Schuld ein Begriff ist, den ich anders definiere als dies in unserer Gesellschaft üblich ist).
Dennoch - ich bin genervt. Vor allem, weil ich kein Freund von institutionalisierter Religion bin und vor allem den großen Kirchen ausgesprochen skeptisch gegenüber stehe. Eigentlich könnte ich mich in den Chor derjenigen einreihen, die sagen: "Da seht Ihr es - Eure überkommenen Moralvorstellungen sind die Ursache für so viel Leid." Und anfänglich war ich wohl auch geneigt, so zu argumentieren.
Aber ganz objektiv betrachtet hat sexueller Missbrauch von Kindern nichts mit Katholizismus, Internaten oder irgend was anderem zu tun. Sicher gibt es die ein oder anderen Umstände, die gewisse menschlichen Abgründen zuträglich ist (in dem Sinne, dass sie deutlicher zu Tage treten, oder sie sich schneller auftun). Aber was sollen wir machen? Alle Internate schließen, Klassenfahrten verbieten und Kindern den Kontakt zur Kirche und allen anderen Jugendorganisationen untersagen?
Tatsächlich hat der Missbrauch von Kindern eher etwas mit Vertrauen zu tun. Missbrauchtes Vertrauen. Denn diese schwere Verletzung der Seele erfahren Kinder und auch Jugendliche nicht vorwiegend vom fremden Mann (oder durchaus auch Frau) von der Straße, sondern in der größten Zahl der Fälle Durch Menschen aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Von nahen Verwandten, engen Freunden der Familie oder auch im eigenen Freundeskreis.
Daher ist die Anweisung an Kinder, nicht mit fremden Personen zu sprechen, oder gar mit ihnen mitzugehen, sicherlich ein guter Rat. Aber wer seine Kinder eben nur auf diese Gefahrensituation vorbereitet, handelt nachlässig. 80% (!) der Täter kommen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Opfer.
Vielmehr ist es wichtig, starke und selbstbewusste Kinder zu erziehen, die sich durchaus trauen, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen vor die Anliegen von Verwandten und Gästen zu stellen.
Das geht schon los, wenn ein Kind beim Besuch von Tante X nicht geküsst werden möchte und die Eltern es aber praktisch nötigen, dies doch über sich ergehen zu lassen. Dann bedeutet das für das Kind nichts anderes als, dass seine eigenen Bedürfnisse (in diesem Fall seelisch UND körperlich) hinter den Wünschen von Anderen anzustellen sind. Das erzeugt natürlich auch eine Hemmung, sich erstens gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen und zweitens auch eine Hemmung, sich nach einem wie auch immer gearteten Vorfall an die Eltern zu wenden, welche einen bei der eben geschilderten Situation ja genau die waren, die das Kind in die unangenehme Situation gezwungen haben.
Auch in den Fällen, die nun durch die Medien gehen, handelt es sich um Missbrauch von Vertrauen. Vertrauen, das Eltern, der Staat und die Kirche in Autoritätspersonen gesetzt hat, das aber aufs allerschlimmste missbraucht worden ist. Autoritätspersonen und Personen, denen die Kinder und Jugendlichen sicher auch in vielen Fällen vertraut haben. Oft Menschen, die ihnen Schutz, Geborgenheit und Erziehung zukommen lassen sollten.
Bei dieser Betrachtung ist der Mord an Kinderseelen, wie ich Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern gerne nenne, sicher eines der hinterhältigsten und grausamsten Verbrechen überhaupt.
Aber es ist eben ein Verbrechen, das Menschen begehen. Menschen fast jeden Alters, aller Gesellschaftssichten und jeder Bildungs- und Glaubensausrichtung. Es ist kein Verbrechen, für das Pfarrer prädestiniert sind. Pfarrer sind nämlich (auch wenn ihnen dieses Recht oft abgesprochen wird) erst mal Menschen. Es ist ein Verbrechen, das Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Freunde, Verwandte begehen. Sie sind immer unter uns.
Es gibt eine Schätzung, die davon ausgeht, dass JEDES VIERTE MÄDCHEN bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sexuelle Übergriffe (in unterschiedlicher Ausprägung) erlebt. Wer aber glaubt, es handle sich um ein Problem, das Jungen nicht betreffen kann, der irrt gewaltig. Immerhin jeder elfte (!) Junge erleidet bis zu seinem 18. Geburtstag sexuellen Missbrauch.
Es gibt natürlich bestimmte Muster, die sich scheinbar immer aufs neue wiederholen: die Täter waren in den allermeisten Fällen selbst Opfer; besonders leicht werden Kinder aus autoritären Familien zu Opfern; Angst vor Strafe und Schande ermöglichen erst die extrem hohe Dunkelziffer bei Sexualverbrechen, die das Bundeskriminalamt mit 90% (!!) angibt. Das heißt: für jeden Fall, der aktenkundig wird, gibt es neun Fälle, die nie ans Licht kommen.
Trotzdem: wie schon erwähnt, ist das kein Problem irgend einer Gruppe in der Gesellschaft. Es geht um alle sozialen Schichten, alle Berufsgruppen, alle Glaubensrichtungen, alle Menschen.
Daher fordere ich:
Wir müssen offen und unvoreingenommen an das Thema herangehen. Sehen wir erst einmal von Schuldzuweisungen und Vorwürfen ab. Erkennen wir, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, das gesamtgesellschaftlich angegangen werden muss. Wir müssen öffentlich darüber diskutieren. Jedes Tabu, das wir im Dunklen lassen, bietet Raum für Geheimnisse und Drohungen.
Und dennoch warne ich vor US-Amerikanischen Zuständen in der Erziehung. Dort werden 8jährige Jungs vor Gericht gezerrt, die ihrer 4jährigen Schwester beim Wasserlassen helfen. Dort wagen Eltern nicht mehr, ihre Kinder richtig in den Arm zu nehmen, weil die Nachbarn sie anzeigen könnten.
Vor allem letzteres führt nach Ansicht von Entwicklungspsychologen zu Verhaltensstörungen in Richtung erhöhter Aggressivität und Gewaltbereitschaft.
Wir sind Menschen. Das bedeutet, wir sind körperliche und sexuelle Wesen. Jeder braucht zum Leben auch körperliche Zuwendung. Und die gute Art der Zuwendung macht Kinder stark und selbstbewusst. Und Kinder haben ein sehr feines Gespür für die richtige und die falsche Art der Zuwendung.
Das heißt: ihre Bedürfnisse sind entscheidend. Nicht die Moral oder Bedürfnisse von uns Erwachsenen.
Donnerstag, 16. April 2009
U-Bahn Fahrten - und das Wunder des Lebens ;-)
...oder: warum sich nicht täglich tausende Münchner entleiben...
Als Stadtbewohner, der erkannt hat, wie unsinnig es ist, ein eigenes Auto zu besitzen, fahre ich regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das scheint auf den ersten Blick zwar relativ teuer (IsarCard für die Ringe 1 bis 7 = knapp 900,-€ im Jahr), bringt mir aber allzeit Mobilität zu einem (im vergleich mit einem Auto) doch günstigen Preis.
Auch mit einem relativ sparsamen Kleinwagen sind jedes Jahr rund 4.000,- Euro fällig. Nicht nur der Kraftstoff spielt bei der Berechnung mit. Reparaturen, Kundendienste, Öl- und Reifenwechsel, Reinigung, Versicherung und Steuer schlagen schließlich auch noch einmal erheblich zu Buche. Zum Einkaufen kann ich leicht mit dem Bus fahren, oder ich lasse mir schwerere Sachen (Getränke, Konserven u.ä.) liefern. Das kostet gerade mal um die 5 Euro mehr, als ich im Laden zahle, das ist beim Wegfall der KFZ-Kosten leicht drin. Sogar gelegentliche Taxifahrten, oder ein Mietwagen übers Wochenende ist da finanzierbar. Auch habe ich eine Bahn-Card, die sich praktisch von selbst rentiert. Und mit all dem Luxus: Taxi, Lieferdienst, Mietwagen und Bahnreisen, zahle ich immernoch keine 4.000,- Euro! Und dazu kommt noch, dass ich mehr lese (in S- und U-Bahn), ich komme entspannt und gut gelaunt in der Arbeit an und über Parkplatzprobleme habe ich mir schon seit zwei Jahren keine Gedanken mehr gemacht ;-)
... aber das nur am Rande :-)
Jeden Morgen, an dem ich mit dem Strom der arbeitenden Mitmenschen unterwegs bin, werde ich fast erschlagen von der Menge an unglaublich schwer leidenden Menschen. Ihre Gesichter sind in tiefe Falten gelegt, ihre Blicke bösartig bis leer...
Ein schreckliches Bild, das sich einem Besucher hier bietet. Nun haben wir Münchner menschlich gesehen nicht den besten Ruf. Arroganz und Emotionale Kälte wirft man uns vor... da bin ich anderer Meinung, aber das ist nicht das Thema. Aber dieses unendliche Elend, das die Menschen zu ertragen scheinen, die täglich in der Rush-Hour mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, drängt mir vor allem eine Frage auf: warum begehen die nicht alle auf der Stelle Selbstmord???
Oder leiden sie vielleicht gar nicht soo sehr, sondern tun sich nur selbst leid, weil sie so früh wach sein müssen? Oder sind sie nur schlecht drauf, weil sie in die Arbeit müssen? Eine Arbeit vielleicht, die ihnen keine Freude macht? Das wäre schlimm.
Ich habe oft unter großen finanziellen Engpässen zu leiden. Doch nehme ich diese gerne in Kauf, wenn ich mit dafür die Freiheit bewahren kann, nur für Arbeitgeber zu werkeln, bei denen es mir Spaß macht.
Nein, nein. Mir ist vollkommen klar, das es in einer teueren Stadt wie München einfach gewisse Zwänge gibt, denen man sich unterordnen muss. Auch in die Arbeit zu gehen, wenn man keine Lust hat, gehört einfach dazu, in einer Gesellschaft, die sich so vorbehaltlos dem Leistungsprinzip verschrieben zu haben scheint.
Aber ich möchte nur eines zu bedenken geben:
Arbeitszeit ist Lebenszeit.
Dieser Satz kann so oder so ausgelegt werden. Die einen werden vielleicht vermuten, es handelt sich um einen Aufruf an die Angestellten, sich gegen die Chefs zu erheben, weil die ihnen das Leben zur Hölle machen. Die anderen sehen darin aber vielleicht die Aufforderung, die Arbeitszeit als das zu begreifen, was sie in der Tat ist: Zeit in unserem Leben. Und wenn wir uns selbst fragen, wie wir leben wollen, dann wird die Antwort sicher nichts mit den griesgrämigen Gesichtern im ÖPNV- Berufsverkehr zu tun haben.
Also ich tendiere eher dazu, zu sagen: wenn ich schon Kloputzer bin, dann will ich zu den besten und gründlichsten Kloputzern gehören, die dieses Scheißhaus je gereinigt haben.
Und wie schnell wir auch arbeiten, wie sehr wir uns auch in die Geschwindigkeitsmaximierungswahnwelt hineinsteigern - es gilt doch:
Zeit kann nicht gespart werden. Zeit kann nur gelebt werden. Nicht gelebte Zeit ist für immer verloren.
...also worauf warten wir noch?
Abschließend hier noch ein Zitat:
"Wir sind frei. Es gibt kein Müssen und kein Soll'n - wenn wir nicht woll'n ... Ihr Sklaven in der Überzahl wie lang' noch wollt Ihr leiden? Wir müssen uns entscheiden..."
(Blumfeld)
Als Stadtbewohner, der erkannt hat, wie unsinnig es ist, ein eigenes Auto zu besitzen, fahre ich regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das scheint auf den ersten Blick zwar relativ teuer (IsarCard für die Ringe 1 bis 7 = knapp 900,-€ im Jahr), bringt mir aber allzeit Mobilität zu einem (im vergleich mit einem Auto) doch günstigen Preis.
Auch mit einem relativ sparsamen Kleinwagen sind jedes Jahr rund 4.000,- Euro fällig. Nicht nur der Kraftstoff spielt bei der Berechnung mit. Reparaturen, Kundendienste, Öl- und Reifenwechsel, Reinigung, Versicherung und Steuer schlagen schließlich auch noch einmal erheblich zu Buche. Zum Einkaufen kann ich leicht mit dem Bus fahren, oder ich lasse mir schwerere Sachen (Getränke, Konserven u.ä.) liefern. Das kostet gerade mal um die 5 Euro mehr, als ich im Laden zahle, das ist beim Wegfall der KFZ-Kosten leicht drin. Sogar gelegentliche Taxifahrten, oder ein Mietwagen übers Wochenende ist da finanzierbar. Auch habe ich eine Bahn-Card, die sich praktisch von selbst rentiert. Und mit all dem Luxus: Taxi, Lieferdienst, Mietwagen und Bahnreisen, zahle ich immernoch keine 4.000,- Euro! Und dazu kommt noch, dass ich mehr lese (in S- und U-Bahn), ich komme entspannt und gut gelaunt in der Arbeit an und über Parkplatzprobleme habe ich mir schon seit zwei Jahren keine Gedanken mehr gemacht ;-)
... aber das nur am Rande :-)
Jeden Morgen, an dem ich mit dem Strom der arbeitenden Mitmenschen unterwegs bin, werde ich fast erschlagen von der Menge an unglaublich schwer leidenden Menschen. Ihre Gesichter sind in tiefe Falten gelegt, ihre Blicke bösartig bis leer...
Ein schreckliches Bild, das sich einem Besucher hier bietet. Nun haben wir Münchner menschlich gesehen nicht den besten Ruf. Arroganz und Emotionale Kälte wirft man uns vor... da bin ich anderer Meinung, aber das ist nicht das Thema. Aber dieses unendliche Elend, das die Menschen zu ertragen scheinen, die täglich in der Rush-Hour mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, drängt mir vor allem eine Frage auf: warum begehen die nicht alle auf der Stelle Selbstmord???
Oder leiden sie vielleicht gar nicht soo sehr, sondern tun sich nur selbst leid, weil sie so früh wach sein müssen? Oder sind sie nur schlecht drauf, weil sie in die Arbeit müssen? Eine Arbeit vielleicht, die ihnen keine Freude macht? Das wäre schlimm.
Ich habe oft unter großen finanziellen Engpässen zu leiden. Doch nehme ich diese gerne in Kauf, wenn ich mit dafür die Freiheit bewahren kann, nur für Arbeitgeber zu werkeln, bei denen es mir Spaß macht.
Nein, nein. Mir ist vollkommen klar, das es in einer teueren Stadt wie München einfach gewisse Zwänge gibt, denen man sich unterordnen muss. Auch in die Arbeit zu gehen, wenn man keine Lust hat, gehört einfach dazu, in einer Gesellschaft, die sich so vorbehaltlos dem Leistungsprinzip verschrieben zu haben scheint.
Aber ich möchte nur eines zu bedenken geben:
Arbeitszeit ist Lebenszeit.
Dieser Satz kann so oder so ausgelegt werden. Die einen werden vielleicht vermuten, es handelt sich um einen Aufruf an die Angestellten, sich gegen die Chefs zu erheben, weil die ihnen das Leben zur Hölle machen. Die anderen sehen darin aber vielleicht die Aufforderung, die Arbeitszeit als das zu begreifen, was sie in der Tat ist: Zeit in unserem Leben. Und wenn wir uns selbst fragen, wie wir leben wollen, dann wird die Antwort sicher nichts mit den griesgrämigen Gesichtern im ÖPNV- Berufsverkehr zu tun haben.
Also ich tendiere eher dazu, zu sagen: wenn ich schon Kloputzer bin, dann will ich zu den besten und gründlichsten Kloputzern gehören, die dieses Scheißhaus je gereinigt haben.
Und wie schnell wir auch arbeiten, wie sehr wir uns auch in die Geschwindigkeitsmaximierungswahnwelt hineinsteigern - es gilt doch:
Zeit kann nicht gespart werden. Zeit kann nur gelebt werden. Nicht gelebte Zeit ist für immer verloren.
...also worauf warten wir noch?
Abschließend hier noch ein Zitat:
"Wir sind frei. Es gibt kein Müssen und kein Soll'n - wenn wir nicht woll'n ... Ihr Sklaven in der Überzahl wie lang' noch wollt Ihr leiden? Wir müssen uns entscheiden..."
(Blumfeld)
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