Sonntag, 7. März 2010

Missbrauch bei Kirche und Co.

Es vergeht in den Nachrichten aktuell keine Stunde ohne Meldungen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche und Erzieher in kirchlichen Einrichtungen. Und es ist widerlich.

So widerlich die Vorfälle an sich sind, umso widerlicher stellt sich mir das Verhalten der Verantwortlichen dar.
Frei nach dem Motto: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf!" sind die jetzt an den Pranger gestellten Institutionen (und die Kirche insgesamt) Jahrzehnte lang mit derlei Vorkommnissen umgegangen. Und wenn man so viel Aufarbeitung so lange Zeit vor sich herschiebt, kommt irgendwann so viel Übel zusammen, dass bei der dann längst überfälligen Aufarbeitung der Eindruck entstehen kann, die Kirche hätte sich ein gewisses Monopol auf Misshandlung und Missbrauch erarbeitet.

Aber genau an dem Punkt fängt die Angelegenheit an, mich zu nerven. Unbestritten ist nach meiner Ansicht die Notwendigkeit, allen Vorwürfen bis zum letzten Detail nachzugehen. Auch dann, wenn die Übergriffe nach unserer Rechtssprechung verjährt sind. Nicht um Täter an den Pranger zu stellen; nicht um Rache zu üben. Vielmehr ist eine solche Aufarbeitung für die Opfer wichtig. Viele Jahre haben sie sich gequält. Begleitet von Selbstvorwürfen haben sie zweifelhafte Ideen einer Mitschuld jahrelang auf ihren Seelen herumgetragen. Kinderseelen, die einmal so tief verletzt niemals wieder zu hundert Prozent ausheilen können. Auch wenn es für einige sehr spät, für manche zu spät kommt, muss gerade den Opfern klar gemacht werden, dass sie keinerlei Schuld auf sich geladen haben (wobei Schuld ein Begriff ist, den ich anders definiere als dies in unserer Gesellschaft üblich ist).

Dennoch - ich bin genervt. Vor allem, weil ich kein Freund von institutionalisierter Religion bin und vor allem den großen Kirchen ausgesprochen skeptisch gegenüber stehe. Eigentlich könnte ich mich in den Chor derjenigen einreihen, die sagen: "Da seht Ihr es - Eure überkommenen Moralvorstellungen sind die Ursache für so viel Leid." Und anfänglich war ich wohl auch geneigt, so zu argumentieren.

Aber ganz objektiv betrachtet hat sexueller Missbrauch von Kindern nichts mit Katholizismus, Internaten oder irgend was anderem zu tun. Sicher gibt es die ein oder anderen Umstände, die gewisse menschlichen Abgründen zuträglich ist (in dem Sinne, dass sie deutlicher zu Tage treten, oder sie sich schneller auftun). Aber was sollen wir machen? Alle Internate schließen, Klassenfahrten verbieten und Kindern den Kontakt zur Kirche und allen anderen Jugendorganisationen untersagen?

Tatsächlich hat der Missbrauch von Kindern eher etwas mit Vertrauen zu tun. Missbrauchtes Vertrauen. Denn diese schwere Verletzung der Seele erfahren Kinder und auch Jugendliche nicht vorwiegend vom fremden Mann (oder durchaus auch Frau) von der Straße, sondern in der größten Zahl der Fälle Durch Menschen aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Von nahen Verwandten, engen Freunden der Familie oder auch im eigenen Freundeskreis.

Daher ist die Anweisung an Kinder, nicht mit fremden Personen zu sprechen, oder gar mit ihnen mitzugehen, sicherlich ein guter Rat. Aber wer seine Kinder eben nur auf diese Gefahrensituation vorbereitet, handelt nachlässig. 80% (!) der Täter kommen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Opfer.

Vielmehr ist es wichtig, starke und selbstbewusste Kinder zu erziehen, die sich durchaus trauen, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen vor die Anliegen von Verwandten und Gästen zu stellen.

Das geht schon los, wenn ein Kind beim Besuch von Tante X nicht geküsst werden möchte und die Eltern es aber praktisch nötigen, dies doch über sich ergehen zu lassen. Dann bedeutet das für das Kind nichts anderes als, dass seine eigenen Bedürfnisse (in diesem Fall seelisch UND körperlich) hinter den Wünschen von Anderen anzustellen sind. Das erzeugt natürlich auch eine Hemmung, sich erstens gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen und zweitens auch eine Hemmung, sich nach einem wie auch immer gearteten Vorfall an die Eltern zu wenden, welche einen bei der eben geschilderten Situation ja genau die waren, die das Kind in die unangenehme Situation gezwungen haben.

Auch in den Fällen, die nun durch die Medien gehen, handelt es sich um Missbrauch von Vertrauen. Vertrauen, das Eltern, der Staat und die Kirche in Autoritätspersonen gesetzt hat, das aber aufs allerschlimmste missbraucht worden ist. Autoritätspersonen und Personen, denen die Kinder und Jugendlichen sicher auch in vielen Fällen vertraut haben. Oft Menschen, die ihnen Schutz, Geborgenheit und Erziehung zukommen lassen sollten.

Bei dieser Betrachtung ist der Mord an Kinderseelen, wie ich Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern gerne nenne, sicher eines der hinterhältigsten und grausamsten Verbrechen überhaupt.

Aber es ist eben ein Verbrechen, das Menschen begehen. Menschen fast jeden Alters, aller Gesellschaftssichten und jeder Bildungs- und Glaubensausrichtung. Es ist kein Verbrechen, für das Pfarrer prädestiniert sind. Pfarrer sind nämlich (auch wenn ihnen dieses Recht oft abgesprochen wird) erst mal Menschen. Es ist ein Verbrechen, das Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Freunde, Verwandte begehen. Sie sind immer unter uns.

Es gibt eine Schätzung, die davon ausgeht, dass JEDES VIERTE MÄDCHEN bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sexuelle Übergriffe (in unterschiedlicher Ausprägung) erlebt. Wer aber glaubt, es handle sich um ein Problem, das Jungen nicht betreffen kann, der irrt gewaltig. Immerhin jeder elfte (!) Junge erleidet bis zu seinem 18. Geburtstag sexuellen Missbrauch.

Es gibt natürlich bestimmte Muster, die sich scheinbar immer aufs neue wiederholen: die Täter waren in den allermeisten Fällen selbst Opfer; besonders leicht werden Kinder aus autoritären Familien zu Opfern; Angst vor Strafe und Schande ermöglichen erst die extrem hohe Dunkelziffer bei Sexualverbrechen, die das Bundeskriminalamt mit 90% (!!) angibt. Das heißt: für jeden Fall, der aktenkundig wird, gibt es neun Fälle, die nie ans Licht kommen.

Trotzdem: wie schon erwähnt, ist das kein Problem irgend einer Gruppe in der Gesellschaft. Es geht um alle sozialen Schichten, alle Berufsgruppen, alle Glaubensrichtungen, alle Menschen.

Daher fordere ich:
Wir müssen offen und unvoreingenommen an das Thema herangehen. Sehen wir erst einmal von Schuldzuweisungen und Vorwürfen ab. Erkennen wir, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, das gesamtgesellschaftlich angegangen werden muss. Wir müssen öffentlich darüber diskutieren. Jedes Tabu, das wir im Dunklen lassen, bietet Raum für Geheimnisse und Drohungen.

Und dennoch warne ich vor US-Amerikanischen Zuständen in der Erziehung. Dort werden 8jährige Jungs vor Gericht gezerrt, die ihrer 4jährigen Schwester beim Wasserlassen helfen. Dort wagen Eltern nicht mehr, ihre Kinder richtig in den Arm zu nehmen, weil die Nachbarn sie anzeigen könnten.

Vor allem letzteres führt nach Ansicht von Entwicklungspsychologen zu Verhaltensstörungen in Richtung erhöhter Aggressivität und Gewaltbereitschaft.

Wir sind Menschen. Das bedeutet, wir sind körperliche und sexuelle Wesen. Jeder braucht zum Leben auch körperliche Zuwendung. Und die gute Art der Zuwendung macht Kinder stark und selbstbewusst. Und Kinder haben ein sehr feines Gespür für die richtige und die falsche Art der Zuwendung.

Das heißt: ihre Bedürfnisse sind entscheidend. Nicht die Moral oder Bedürfnisse von uns Erwachsenen.

Donnerstag, 16. April 2009

U-Bahn Fahrten - und das Wunder des Lebens ;-)

...oder: warum sich nicht täglich tausende Münchner entleiben...

Als Stadtbewohner, der erkannt hat, wie unsinnig es ist, ein eigenes Auto zu besitzen, fahre ich regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das scheint auf den ersten Blick zwar relativ teuer (IsarCard für die Ringe 1 bis 7 = knapp 900,-€ im Jahr), bringt mir aber allzeit Mobilität zu einem (im vergleich mit einem Auto) doch günstigen Preis.

Auch mit einem relativ sparsamen Kleinwagen sind jedes Jahr rund 4.000,- Euro fällig. Nicht nur der Kraftstoff spielt bei der Berechnung mit. Reparaturen, Kundendienste, Öl- und Reifenwechsel, Reinigung, Versicherung und Steuer schlagen schließlich auch noch einmal erheblich zu Buche. Zum Einkaufen kann ich leicht mit dem Bus fahren, oder ich lasse mir schwerere Sachen (Getränke, Konserven u.ä.) liefern. Das kostet gerade mal um die 5 Euro mehr, als ich im Laden zahle, das ist beim Wegfall der KFZ-Kosten leicht drin. Sogar gelegentliche Taxifahrten, oder ein Mietwagen übers Wochenende ist da finanzierbar. Auch habe ich eine Bahn-Card, die sich praktisch von selbst rentiert. Und mit all dem Luxus: Taxi, Lieferdienst, Mietwagen und Bahnreisen, zahle ich immernoch keine 4.000,- Euro! Und dazu kommt noch, dass ich mehr lese (in S- und U-Bahn), ich komme entspannt und gut gelaunt in der Arbeit an und über Parkplatzprobleme habe ich mir schon seit zwei Jahren keine Gedanken mehr gemacht ;-)
... aber das nur am Rande :-)

Jeden Morgen, an dem ich mit dem Strom der arbeitenden Mitmenschen unterwegs bin, werde ich fast erschlagen von der Menge an unglaublich schwer leidenden Menschen. Ihre Gesichter sind in tiefe Falten gelegt, ihre Blicke bösartig bis leer...

Ein schreckliches Bild, das sich einem Besucher hier bietet. Nun haben wir Münchner menschlich gesehen nicht den besten Ruf. Arroganz und Emotionale Kälte wirft man uns vor... da bin ich anderer Meinung, aber das ist nicht das Thema. Aber dieses unendliche Elend, das die Menschen zu ertragen scheinen, die täglich in der Rush-Hour mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, drängt mir vor allem eine Frage auf: warum begehen die nicht alle auf der Stelle Selbstmord???

Oder leiden sie vielleicht gar nicht soo sehr, sondern tun sich nur selbst leid, weil sie so früh wach sein müssen? Oder sind sie nur schlecht drauf, weil sie in die Arbeit müssen? Eine Arbeit vielleicht, die ihnen keine Freude macht? Das wäre schlimm.

Ich habe oft unter großen finanziellen Engpässen zu leiden. Doch nehme ich diese gerne in Kauf, wenn ich mit dafür die Freiheit bewahren kann, nur für Arbeitgeber zu werkeln, bei denen es mir Spaß macht.

Nein, nein. Mir ist vollkommen klar, das es in einer teueren Stadt wie München einfach gewisse Zwänge gibt, denen man sich unterordnen muss. Auch in die Arbeit zu gehen, wenn man keine Lust hat, gehört einfach dazu, in einer Gesellschaft, die sich so vorbehaltlos dem Leistungsprinzip verschrieben zu haben scheint.

Aber ich möchte nur eines zu bedenken geben:

Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Dieser Satz kann so oder so ausgelegt werden. Die einen werden vielleicht vermuten, es handelt sich um einen Aufruf an die Angestellten, sich gegen die Chefs zu erheben, weil die ihnen das Leben zur Hölle machen. Die anderen sehen darin aber vielleicht die Aufforderung, die Arbeitszeit als das zu begreifen, was sie in der Tat ist: Zeit in unserem Leben. Und wenn wir uns selbst fragen, wie wir leben wollen, dann wird die Antwort sicher nichts mit den griesgrämigen Gesichtern im ÖPNV- Berufsverkehr zu tun haben.

Also ich tendiere eher dazu, zu sagen: wenn ich schon Kloputzer bin, dann will ich zu den besten und gründlichsten Kloputzern gehören, die dieses Scheißhaus je gereinigt haben.

Und wie schnell wir auch arbeiten, wie sehr wir uns auch in die Geschwindigkeitsmaximierungswahnwelt hineinsteigern - es gilt doch:

Zeit kann nicht gespart werden. Zeit kann nur gelebt werden. Nicht gelebte Zeit ist für immer verloren.

...also worauf warten wir noch?

Abschließend hier noch ein Zitat:
"Wir sind frei. Es gibt kein Müssen und kein Soll'n - wenn wir nicht woll'n ... Ihr Sklaven in der Überzahl wie lang' noch wollt Ihr leiden? Wir müssen uns entscheiden..."
(Blumfeld)

Dienstag, 3. Juni 2008

Ich kanns nicht mehr hören!!!

Was kann die Regierung dafür, dass mit Öl spekuliert wird? Was kann die Regierung dafür, dass eben diese Spekulanten den Hals nicht voll kriegen?

Klar, über 70 Cent pro Euro gehen an den Staat - aber da muss man sich erst mal die Frage stellen, wer dieser Staat überhaupt ist - das sind nämlich wir alle, die hier in Deutschland leben. Und wenn das Geld aus der Mineralölsteuer weg fällt oder drastisch reduziert wird, dann fehlt die Kohle doch wieder an anderer Stelle. Und dann wird wieder laut geschrien!!!

Und laut ADAC (der wirklich nur für die Autofahrer argumentiert) müsste vom Steuerlichen her der Diesel Preis 21 Cent (!) unter dem Preis von Normalbenzin liegen. Trotzdem ist Diesel jetzt teurer als Benzin!!!

Glauben die Leute also wirklich, dass eine Senkung der Mineralölsteuer das Problem aus der Welt schafft??? So dumm kann doch keiner sein! Spätestens nach wenigen Monaten würde der Preis über das heutige Niveau steigen. Nur dass dann das Geld auf das unsere Gemeinschaft verzichtet, auf den Konten der Ölkonzerne landet!!

Und jetzt komme ich wieder zu meinem Lieblings-Hitler Zitat (Siehe frühere Einträge). Aber das spare ich mir, weil's eh klar ist ;-) Denn sonst wäre die BILD nicht das auflagenstärkste Blatt in Deutschland, in dem es nur um Hass, Neid und Titten geht. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich da kotzen möchte!!

Zusammenfassend: Ja, die Steuer auf Mineralöl und Kraftstoffe ist (zu?) hoch und damit eine Bremse für die Wirtschaft. Aber der Zug ist aus oben genannten Gründen längst auf offener Strecke...

So - jetzt ist mir wohler ;-)
Liebe Grüße

Mittwoch, 9. Januar 2008

Es gibt zu viele kriminelle Ausländer in Deutschland!

Ich war so perplex dass ich mir eine besorgt habe! Ich wurde zum BILD-Leser, weil BILD mit einer Schlagzeile warb, die keinen kalt lassen kann, der auch nur halbwegs sein Hirn einschaltet, wenn er einen solchen Text liest:

"Die Wahrheit über kriminelle Ausländer"

Allein diese Schlagzeile war schon ein Schock. Die Untertitel dazu grenzen meiner Meinung nach an Volksverhetzung:

"Sie werden in Ihren Familien schon zu Kriminellen erzogen; Leichte Strafen schrecken sie nicht ab; Sie beeindruckt nur eines: die Haft"

All diese pauschalisierenden und den Leser in Panik versetzenden Worte sollen von Deutschlands "mutigstem Staatsanwalt" stammen. Alles, was den Artikel aufmacht, bezieht sich auf Ausländer. Was dann später aber an Zahlen und Fakten folgt, ist auf die Gesamtbevölkerung, also ohne Ansehen der Nationalität gerechnet. Darüber verliert BILD aber kein Wort. Das Gros der Leser wird also davon ausgehen, dass die Gewaltkriminalität in diesen erschreckenden Ausmaßen ausschließlich von Ausländern begangen wird.

BILD schreibt: "...die Hintergründe der zunehmenden Kriminalität ausländischer Jugendlicher."

Dies ist ein krimineller Satz. Fakt ist, dass laut Polizeistatistik der Anteil von ausländischen Jugendlichen unter jugendlichen Straftätern insgesamt abgenommen hat.
Zum Vergleich die Verhältnisse bei 14 bis 21 jährigen, die einer Straftat verdächtigt wurden:
1997: 75% Deutsche - 25% Ausländer
2006: 83% Detusche - 17% Ausländer

Trotzdem sind sich manche Politiker nicht zu schade, faschistische Hetzparolen für ihre Wahl einzusetzen!

Zwar trifft es zu, dass ausländische jugendliche häufiger straffällig werden, als deutsche. Aber hier ist es nicht die Nationalität, die eine Veranlagung bringt, sondern die Tatsache, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger ein schlechteres Bildungsniveau aufweisen. Ein Zusammenhang zwischen fehlender Schulbildung und Gewaltkriminalität ist nämlich durchaus nachweisbar.

So besucht in München (wo die strengere Bayerische Justitz herrscht) die Mehrzahl der türkischen Jugendlichen die Hauptschule. Hier werden (trotz angeblich härterer Bestrafung) mehr junge Türken zu Mehrfachtätern als in Hannover. Dort bekommen die Türken häufiger die Chance auf gute Bildung - auch die Zahl der Mehrfachtäter ist dort spürbar niedriger.

Einen Beleg dafür, dass bei härteren Strafen weniger Straftaten verübt werden, gibt es auf der ganzen Welt nicht. Würde das funktionieren, gäbs doch in den USA keine Morde und Vergewaltigungen mehr, oder??? Aber gerade dort sterben die meisten Menschen weltweit bei Gewaltverbrechen.

Jetzt wird aber trotzdem jeder anständige Bürger sagen, dass es nicht sein kann, dass Jugendliche einen Rentner in der U-Bahn aufs übelste zusammenschlagen. Natürlich nicht. Und auch ich bin persönlich der Meinung, dass hier harte Strafen folgen müssen. Aber nicht, um andere abzuschrecken (was nicht funktioniert), sondern um der Gerechtigkeit genüge zu tun. Und dafür reichen die in Deutschland geltenden Gesetze durchaus.

Warum aber fordern dann Politiker (gerade die in der eher rechts gerichteten Abteilung) immer hörtere Strafen? Warum malen sie immer grausigere Schreckgespenster an die Wand? Warum scheinen sie sich geradezu zu freuen, wenn wieder ein Ausländer eine Straftat begangen hat, oder gar einen terroristischen Anschalg verüben wollte?

Ganz einfach: je mehr Angst in der Bevölkerung herrscht, umso leichter kann man die Freiheit einschränken. Die Freiheit, unbeobachtet einen Spaziergang durch die Stadt zu machen, unbeobachtet auf Erotikseiten im Internet zu surfen, unbeobachtet ein Telefongespräch mit Freunden zu führen.

An dieser Stell möchte ich noch einmal auf das Schlusszitat meines letzten Eintrages von 2007 verweisen:

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen,
wird am Ende beides verlieren."
(Benjamin Franklin)


Nun ist die Frage noch nicht ausreichend beantwortet: Wer hat Interesse daran, das Volk in Angst und Schrecken zu versetzen?

Ganz einfach: wer lässt sich den leichter manipulieren und dirigieren? Der Freidenker, welcher immer die Möglichkeit hat, auch andere Standpunkte, als die der Macht- / Geld- haber zu prüfen und zu überdenken? Oder vielleicht der ängstliche Bürger, der Schutz bei einem möglichst starken Staat sucht?

Und alle verfügbaren Register ziehen zu können, bedeutet das nicht auch im übertragenen Sinne, die Möglichkeit zu bekommen, einen "totalen Krieg" führen zu dürfen - im Namen des Volkes?

Goebbels hat in einer Rede vor dem Reichstag einmal gesagt, dass man den Menschen nur sagen müsse, dass eine große Bedrohung herrsche. Und das Volk würde den Führern überall hin folgen.

Genau so ist es doch, oder?

Zum Titel dieses Eintrags:

Ich finde übrigens auch, dass es zu viele kriminelle Ausländer in Deutschland gibt. Genau so wie ich finde, dass es zu viele kriminelle Deutsche gibt, zu viele prügelnde Eltern, zu viele missbrauchenden Pfarrer, zu viele hungernde Menschen, zu viele bestechliche Beamten und so weiter.

Vor allem aber bin ich der Meinung, dass es zu viele gewissenlose Manipulatoren gibt. Es gibt zu viele ehrlose Journalisten. Zu viele faschistoid argumentierende Politiker.

Letztendlich gibt es aber nur eine Gruppe, die das überhaupt erst möglich macht.

Und hier bewahrheitet sich eine traurige Behauptung aus Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf": Die breite Masse ist von granitener Dummheit!

Dieser Beitrag ist unter Zuhilfenahme von Informationen aus www.bildblog.de entstanden. Die Fakten wurden allerdings vorher von mir geprüft. Polizeistatistik: http://www.berlin.de/imperia/md/content/seninn/imk2007/beschluesse/imk_185_bericht_top16.pdf

Samstag, 8. September 2007

Überwachungsstaat - Bundestrojaner

Ein befreundeter Kameramann hat vor einigen Jahren einmal folgendes zu mir gesagt:

"Ich muß jetzt aufhören, mich über den Polizeistaat zu beklagen. Weil wenn wir demnächst einen echten Polizeistaat haben, hört mir dann keiner mehr zu."

Dieser kleine Linke (politisch) hat meiner Meinung nach sehr viel über unseren Staat gesagt, mit nur einem einzigen Satz. Schon heute kann man das Gefühl von Gängelung durch die sogenannte Staatsmacht oft nicht mehr wegdiskutieren. Freilich kaum in der breiten Masse. Aber viele Einzelpersonen haben schon Erlebnisse gemacht, die zumindest den Verdacht nahelegen, dass man gezielt gegen sie vorgeht, obwohl sie sich im Sinne der Gesetze nichts haben zu Schulden kommen lassen.

Dabei meine ich mit Staatsmacht immer Behörden, die eigentlich ihre Existenzberechtigung nur darin haben, dem normalen, gesetzestreuen Bürger zu dienen, ihn zu schützen und sein Leben zu erleichtern.

Mein Lieblingsbeispiel ist die Polizei. Ich erkläre hier noch einmal meine unpopuläre Ansicht, dass die Polizei etwas gutes ist. Die Mitarbeiter der Polizei sind Menschen wie Du und ich. Sie stoßen in ihrer täglichen Arbeit an die gleichen Grenzen wie alle anderen Menschen auch.

So haben gut 8.000 Mitarbeiter der Bayerischen Polizei sich eingebracht, als es darum ging, ein Leitbild für die Zukunft der Polizeiarbeit in Bayern zu formulieren. In der Präambel (Einleitung) lautet der erste Satz wie folgt:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."

Also ist anscheinend unter den Mitarbeitern dieser Institution die Einsicht über das Dienen weit verbreitet.

Allerdings kann ich von Beispielen Berichten, die diesen Grundsätzen zuwider laufen.

Beispiel eins:

Aus meinem privaten Umfeld. Der name der Betroffenen Person, die Automarke, die Stadt und all sowas wurden geändert.

Frank, einer meiner besten Freunde, fährt in einer Arbeitspause mit seinem BMW durch Berlin, um sich einen Hamburger bei McDonalds (Name des Lokals wurde nicht geändert) zu holen.

Während er sich den Burger am Drive-In Schalter geben lässt, fällt ihm schon ein Streifenwagen auf, dessen Besatzung ein Auge auf ihn geworfen hat. Als Träger einer Baseball Mütze macht er sich natürlich besonders verdächtig.

Wenige Meter, nachdem er mit seinem Auto das Gelände von McDonalds verlassen hatte, wurde er von der Funkstreife aufgehalten. Nach den üblichen Formalitäten wurde er von dem Beamten (es handelte sich um einen Mann und eine Frau) gefragt, ob er Drogen genommen / gekifft hätte. Auf diese Frage antwortete er mit einem klaren nein.

Daraufhin führte der beamte mit meinem Freund mehrere Reaktions-, Koordinations- und Denktests durch. Alle diese Tests bestand er ohne Einwände. Der Beamte lies sich allerdings nicht von seiner Überzeugung abbringen, Frank hätte sein Fahrzeug unter Einfluß von Marihuana gelenkt.

Nach längerem argumentatorischen hin und her, räumte Frank ein, dass er durchaus ab und zu mal zum Joint greift, sicherlich aber nicht in letzter Zeit, weswegen ein Drogeneinfluß nicht gegeben sei (daher waren ja auch alle Tests ohne Befund).

Eine Urinprobe mußte Frank ablehnen, weil er eine leere Blase hatte. Also auferlegte ihm der Beamte ein 12-stündiges Fahrverbot. Außerdem mußte Frank (dessen Pause sich dem Ende zuneigte) mit zur Ärztlichen Blutentnahme fahren.

Nach über zwei Monaten kam das Ergebnis der Blutprobe: Kein Nachweis von THC, oder anderen Drogen!!!

Nachdem sich der Polizist aufgrund von dem Alter Franks, dessen Auto und seiner Bekleidung auf einen vorliegenden Drogenmißbrauch festgelegt hatte, konnte ihn kein Argument, einschließlich der selbst durchgeführten Tests, mehr davon abbringen...

Natürlich ist dies ein eher schwaches Beispiel. Aber man muß bedenken, dass Frank, der sich in Sachen Autofahren und Drogen, bzw. Alkohol am Steuer nie etwas zu Schulden hat kommen lassen, nun mit seinem Auto sicherlich nicht weniger häufig mit Kontrollen rechnen muß...

... vor allem, wenn man folgendes Beispiel mit in die Überlegung mit einbezieht:

Während meiner Zeit im Rettungsdienst hatte ich auch oft mit sogenannten Nebenamtlichen zu tun. Das heißt, es handelt sich dabei um Rettungsdienstmitarbeiter, die in ihrer Freizeit neben einem anderen Beruf her auch noch Rettungsdienst fahren.

An der Rettungwache, der ich zugeteilt war, tat auch eine junge Kollegin Dienst, die im normalen Berufsleben Polizistin war. Sie berichtete oft und gerne über Einsätze im Polizeidienst.

Eine der Geschichten, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, ist die von dem Schauspieler Charles M. Huber. Für jede, die es nicht wissen: Huber ist von dunkler Hautfarbe, landläufig als "schwarz" bezeichnet.

Eines Nachts, nahe er Deutsch / Österreichischen Grenze hatte meine Kollegin im Polizeidienst eben Charles M. Huber aufgehalten und kontrolliert. Dabei hatte Herr Huber einen Fehler gemacht, den ich im übrigen wirklich als Fehlverhalten einstufe. Er hat gegen die eingehende Kontrolle protestiert. Und das (wenn den Schilderung meiner Kollegin zutreffend war) mit dem Argument, ob man denn überhaupt wisse, wer er denn sei...

Nun ist das soweit noch keine Affäre... Aber was mir meine Kollegin danach sagte, läßt eine anständigen Menschen schon nachdenklich werden. Sie prahlte förmlich damit, dass Herr Huber nun mit seinem Fahrzeug auf jeden Fall häufiger kontrolliert werden würde, da sein Kennzeichen ja nun mit einem entsprechenden Vermerk gespeichert sei.

Wohlgemerkt: das einzige Vergehen von Charles M. Huber bestand in seinem (wenn auch nicht zu 100% angemessenen) Protest!

Mißbrauch der Macht, die durch Erhebung von Daten einzelner Bürger entsteht, ist also keine Zukunftsvision, sondern bereits (hoffentlich nur in Einzelfällen) Realität!

Gerade in letzter Zeit flammt immer wieder die Diskussion über mehr polizeiliche Befugnisse im Kampf gegen den Terror auf. Die Gründe dafür sind real und nicht von der Hand zu weisen. Auch ich bin davon überzeugt, dass ein bestimmtes Maß an Überwachung für ein bestimmtes Maß an Sicherheit zwingend erforderlich ist.

Vor gut drei Wochen hatte ich ein unerfreuliches Streitgespräch mit einem meiner besten Freunde. Es ging um den sogenannten "Bundestrojaner", also die Ausforschung des Ihnhaltes privater Computerfestplatten durch Polizeibehörden, bzw. Geheimdiensten.

Mein Freund sprach sich deutlich dafür aus. Ich hielt dagegen, dass eine flächendeckende Überwachung nicht möglich sei und vor allem dem Mißbrauch Tür und Tor öffnen würde. Zudem wird ein gut organisierter Terrorist, oder sonstiger Verbrecher sicher nicht mit unverschlüsselten Daten arbeiten. Und auch, wenn man Verschlüsselungstechnik verbietet - warum sollten sich Verbrecher, Mörder, oder Kinderschänder daran halten.
Schließlich juckt einen Bankräuber auch kein Vermummungsverbot - oder?

Die oben genannten Beispiele habe ich nur angeführt, weil ich aufzeigen wollte, dass bereits heute Menschen in den Behörden arbeiten, die gerne und ohne nachzudenken bereit sind, ihre Macht aus welchen Gründen auch immer zu mißbrauchen. Selbst wenn Tausend Mitarbeiter ehrliche, ideologisch einwandfreie Staats- und damit Bürgerdiener sind; nur ein einziger Mitarbeiter, dessen Moralische Grundsätze wackelig, oder gar nicht vorhanden sind, macht den Leumund aller anderen in der Behörde zunichte. Der korrumpierte Mitarbeiter alleine bedeutet mehr Gefahr, als die anderen an Sicherheit bieten können.

Meiner Ansicht nach, brauchen wir vor dem Hintergrund eines ideologischen Weltkrieges (wie wir ihn heute haben) auch entsprechende Mittel, um unbescholtene Bürger, um Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen - unbedingt. Aber die Wahl dieser Mittel und der Umfang, in dem sie eingesetzt werden sollen, muß mit allergrößter ethischer Sorgfalt abgewogen werden!

Abschließend möchte ich noch zwei Sp
rüche zum Besten geben:

Als erstes ein Sprichwort:

"Wer einen Lenin hat, wird auch einen Stalin bekommen..."

Als zweites ein Zitat:

"
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen,
wird am Ende beides verlieren."
(Benjamin Franklin)


Samstag, 28. Juli 2007

Lindwurmstüberl - es ist überstanden...

Nach sechs Wochen des Bangens und Hoffens ist es nun überstanden.

Das Lindwurmstüberl wird weiter leben. Die besten Brathähnchen der Stadt (auch laut Süddeutsche Zeitung) werden weiter für einen konkurenzlos günstigen Preis weiter im Lokal und zur Straße hin verkauft werden.

Herbe, aber herzliche Bedienungen werden nach 22:00 Uhr die Speisekarte verweigern ("Ja glaum' den Sie, dass mia so spat no nach Speiskart'n kochan"). Ich bin wieder glücklich.

Ein gutes Stück Münchner Lebensqualität wird zurückkehren.

Vielen Dank an alle, die sich dafür stark gemacht ahben, dass ein Kult-Lokal unabhängig von Bürokratischen Verirrungen weiter renoviert werden kann.

Und mein erstes Hähnchen wird explizit gefeiert.

Montag, 16. Juli 2007

Lindwurmstüberl, die Zweite

Die Situation ist ernst!!!

Wegen Formalitäten ruhen die Renovierungsarbeiten am Münchner Kult-Lokal. Ich bin fertig mit den Nerven... das (auch laut AZ) beste Brathähnchen der Stadt ist in ernster Gefahr.

Das Lindwurmstüberl ist nachweislich eines der besten Lokale in München, wenn es um die gutbürgerliche Küche geht. Jeder Tag, den der Treff für alle Schichten geschlossen ist, kostet die Münchner ein Stück Lebensqualität. Doch schlimmer noch - der Fortbestand einer Pächtertradition ist in Gefahr. Jeder Tag, an dem nicht geöffnet werden kann, bedroht die Existenz der ehrbaren Geschäftsleute!

Sollte man eine Unterschriftenaktion starten?